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Freitag, 25. Mai 2018

[ #commons ] Commons - Neue Perspektiven in der Armutsbekämpfung


Im Mittelpunkt steht hierbei, gemeinsam Ressourcen zu nutzen und zu pflegen, Regeln auszuhandeln, sich die Welt anzueignen, ohne sie in Besitz zu nehmen.

Aufbauend auf den Arbeiten der Wirtschaftsnobelpreisträgerin Elinor Ostrom untersuchen die Autor_innen die Bedeutung der gemeinschaftlichen Organisation von Gemein- und Allmendegütern für gerechtere Gesellschaften, bessere Verteilung und mehr Teilhabe.

Armutsbekämpfung durch Aneignung: „Claim the market! Claim the state!“ Staat wie Markt sollen rückerobert werden. Die Beteiligten organisieren Ressourcen so, dass Ausschlussmechanismen vermieden und die Regeln für die Benutzung miteinander ausverhandelt werden. Die einen engagieren sich, eine neue demokratische Bank zu gründen, die sich an den alten Genossenschaftsbanken orientiert. Andere organisieren sich in Versammlungen, um an der Budgeterstellung in der Gemeinde mitzuwirken. Wieder andere gründen Selbstorganisationen, um ihre Anliegen direkt zu vertreten, erobern öffentlichen Raum zurück und besetzen oder bauen Häuser zur Schaffung alternativen Wohnraums.

Armutsbekämpfung durch Zusammenarbeit und Kooperation. Gebrauchen, Zusammenarbeiten, Teilen und Beitragen sind vier zentrale Prinzipien von Commons. Diese Prinzipien eröffnen auch in der Armutsbekämpfung neue Perspektiven. In diesem Buch werden sowohl die umkämpften Ressourcen und Güter – öffentlicher Raum, Finanzsektor, soziale Dienste, Ernährung – als auch Möglichkeiten und Grenzen der partizipativen Organisation bzw. demokratischer Aushandlungsprozesse beleuchtet.
  • Was braucht es, damit Commons Armut und Ungleichheit wirksam verringern und sozialer Ausgrenzung entgegenwirken? 
  • Wie können Finanzdienstleistungen neu organisiert werden? 
  • Wem gehören soziale Organisationen? 
  • Wie funktionieren Medien auf Commons-Basis? 
  • Wie können demokratische Prozesse verbessert werden?

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Das steht in dem kostenlosen eBook:
Inhalt
Editorial 7
Kapitel I – Was allen gehört
Brigitte Kratzwald: Zukunftsfähiges Wirtschaften jenseits von Markt und Staat 15
Silke Helfrich: Commoning als Strategie der Armutsvermeidung 27
Verena Fabris: Let’s make a Commons World.
Abschlussdiskussion der 9. Armutskonferenz 61
Alban Knecht: Daseinsvorsorge als gemeinschaftliche Aufgabe
Alice B. M. Vadrot, Ronald J. Pohoryles: Ein Blick hinter die Green Economy.
Commons und Nachhaltigkeit 73
Kapitel II – Geld
Karin Küblböck: Das Finanzsystem als öffentliches Gut 93
Martin Schürz: Marginalien zu guten Vermögenden und bösen Reichen 103
Projekte (Peter A. Krobath): Das Ein-Topf-Prinzip 116
 Rasenmähen vs. Haareschneiden 118
Kapitel III – Öffentlicher Raum
Alexander Hamedinger: Das Recht auf die Stadt.
Öffentliche Räume und Mitbestimmung 123
Ferdinand Koller: Unerwünscht. Bettelnde Menschen im öffentlichen Raum 135
Projekte (Peter A. Krobath): Zirkulierende Bücher 146
 Häuser und Boden „freikaufen“ 148
Kapitel IV – Demokratie
Verena Fabris, Martin Schenk: Du bist nicht allein. Commons aus der Sicht
von Menschen mit Armutserfahrungen 153
Michael Wrentschur, Michaela Moser: „Beheben wir den Fehler im System!“
Partizipative Theaterarbeit und mehr 165
Gerd Valchars: Gemeingut Demokratie? 1836
Markus Spitzer, Michaela Moser: Soziokratie. Ein Organisationsmodell für Commoners 195
Philipp Sonderegger: Fünf Kniffe für Schwarm-Campaigner_innen 207
Projekte (Peter A. Krobath): Mehr als ein Unterschlupf 218
 Keimzellen der Basisdemokratie 220
 Sichtbar Werden! 222
 Netzwerk-Allmenden 224
 Es gibt viele Alternativen! 226
Kapitel V – Sozialwirtschaft
Judith Pühringer, Philipp Hammer: Sozialwirtschaft als Alternativwirtschaft?
Soziale Unternehmen, Commons und Solidarische Ökonomie 231
Nikolaus Dimmel, Katharina Meichenitsch: Social Entrepreneurs.
Profit in der Sozialwirtschaft 239
Projekte (Peter A. Krobath): Kost nix! Gratis! Geschenkt! 256
 Die Zweirad-Bewegung 258
 Offene Werkstätten, auch am Land 260
Kapitel VI – Gesundheit und Ernährung
Ulrike Papouschek: Gesundheit als öffentliches Gut 265
Irmi Salzer: Gutes Essen für alle! Keine Ernährungssouveränität ohne Commons 279
Projekte (Peter A. Krobath): Die Arche fährt nicht allein 288
 Neue Schatzkarten 290
 Wir geben euch Geld, damit ihr gut produzieren könnt 292
Autor_innen-Verzeichnis 295

Sonntag, 25. Februar 2018

[ #entwicklung ] Vom Nutzen der Globalisierung und der Krise: Armut finanziert Reichtum


Für jeden US-Dollar, der in die Entwicklungsländer geht, fließen mehr als zwei Dollar wieder zurück in die Industriestaaten.

Der Mythos der hilfsbedürftigen Armen in den sogenannten Entwicklungsländern, die von der Wohltätigkeit des reichen Westens abhängig sind, wird mit einer neuen Studie ad absurdum geführt. Vielmehr bereichern sich die industrialisierten Staaten unter dem bestehenden Wirtschafts- und Finanzsystem auf Kosten der Menschen im globalen Süden.

Das europäische Netzwerk Eurodad stellt in seinem Bericht The State of Finance for Developing Countries, 2014 Finanzabflüsse aus Ländern des globalen Südens den Finanzzuflüssen gegenüber. Neben den illegalen Geldströmen (Allein 2012 gingen den Regierungen dieser Länder durch illegale Geldströme mehr als US$ 630 Milliarden verloren) ins Ausland beziehen die Autoren u.a. Schuldentilgungszahlungen und zurückgeführte Gewinne ausländischer Investoren auf der negativen Seite mit ein.

Die US-amerikanischen Organisation Global Financial Integrity geht in ihrem Bericht „Illicit Financial Flows from Developing Countries: 2003-2012“ sogar von noch höheren Verlusten aus illegalen  Geldabflüssen für das Jahr 2012 in Höhe von US$ 991,2 Milliarden aus. Laut den Autoren haben sich die illegalen Finanzflüsse seit 2003 mehr als verdreifacht. Einen Großteil davon machen Preismanipulationenen im unternehmensinternen Handel aus.

Auf positiver Seite werden ausländische Direktinvestitionen (FDIs), Überweisungen von im Ausland arbeitenden Familienangehörigen, Offizielle Entwicklungszusammenarbeit (ODA) und Spenden betrachtet. Zwischen 2008 und 2012 übersteigen die Abflüsse aus Ländern des globalen Südens die Zuflüsse von neuen finanziellen Mitteln um mehr als das Doppelte.

Die US-amerikanischen Organisation Global Financial Integrity geht in ihrem Bericht „Illicit Financial Flows from Developing Countries: 2003-2012“ sogar von noch höheren Verlusten für das Jahr 2012 in Höhe von US$ 991,2 Milliarden aus. Laut den Autoren haben sich die illegalen Finanzflüsse seit 2003 mehr als verdreifacht. Einen Großteil davon machen Preismanipulationenen im unternehmensinternen Handel aus.

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Freitag, 9. Februar 2018

[ #reichtum ] Der neue Feudalismus: Pikettys Thesen kurz und bündig erklärt


Die österreichische Arbeiterkammer hat eine Broschüre zu Pikettys Thesen online gestellt. 

Der französische  Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty landete in den USA einen Megabestseller und das auch noch mit einer Kapitalismuskritik. Das Buch, "Das Kapital im 21. Jahrhundert" ist mittlerweile ein Standardwerk, die weltweit umfassendste Datensammlung zum Thema Ungleichheit. Er warnt vor einem neuen Feudalismus und sieht die europäische Gesellschaft wie in einer Monarchie.

Thomas Piketty zeigt, dass das Ausmaß der Umverteilung von Arbeit zu Kapital in Zeiten von entfesselten Finanzmärkten, Privatisierungen und internationalem Steuerwettbewerb untragbar geworden ist. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind leistungslose Einkommen aus hohen Vermögen, wie etwa aus großen Erbschaften, wieder so ausschlaggebend für den sozialen und ökonomischen Status wie zuletzt in der Monarchie. Deshalb sind viele Menschen auch in Österreich besorgt, dass die Ungleichheit immer weiter zunimmt und der gesellschaftliche Reichtum in nur wenigen Händen konzentriert ist. Für die Arbeiterkammer ist Gerechtigkeit eine wesentliche Forderung, die auch eine gerechtere Verteilung von Vermögen und Einkommen umfasst. Denn die immense Vermögenskonzentration widerstrebt nicht nur dem Gerechtigkeitsempfinden, sondern bedeutet auch eine erhebliche wirtschaftliche Instabilität, wie Piketty eindrucksvoll darlegt.


These 1
Die Bedeutung von Kapital im Vergleich zum jährlich erwirtschafteten Einkommen steigt seit Mitte des 20. Jahrhunderts an.
These 2
Die Daten zeigen eine drastische Vermögensungleichheit: die meisten Menschen haben nur sehrwenig Vermögen; nur sehr wenige Menschen besitzen sehr viel.
These 3
Seit den 1980ern steigen hohe Einkommen besonders stark, mittlere und niedrige Einkommen stagnieren hingegen. Die Einkommensungleichheit spitzt sich folglich zu.
These 4
Durch die hohen Vermögensrenditen wachsen Vermögen schneller als die Wirtschaftsleistung eines Landes. Einige Jahrzehnte im 20. Jahrhundert stellten zwar eine historische Ausnahme dar, jetzt
nehmen die Vermögen jedoch wieder schneller zu als die Wirtschaft.
These 5
Erbschaften haben eine große Bedeutung für die ungleiche Verteilung von Vermögen. Die Geburtslotterie bestimmt, wer sehr reich wird, denn nur wenige Menschen kommen in den Genuss einer großen Erbschaft.
These 6
Wenn die steigende Ungleichheit nicht durch politische Maßnahmen eingedämmt wird, werden sich soziale Unruhen häufen und demokratische Strukturen ausgehöhlt.
These 7
Um das weitere Aufgehen der Schere zwischen Arm und Reich zu bremsen, ist eine progressive Besteuerung von Vermögen und Einkommen unerlässlich.

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Freitag, 1. Dezember 2017

[ #armut ] Grounded Theory: Wege in die Wohnungslosigkeit

Berlin, Schlafsaal im Obdachlosen-Asyl - Quelle: Deutsches Bundesarchiv Koblenz via Wikimedia Commons

Wege in die Wohnungslosigkeit: eine qualitative Untersuchung

[Dissertation/PDF] Die Dissertation untersucht die Herkunft und Entwicklung von Wohnungslosigkeit. Hierzu wurden biographische Interviews mit über 30 wohnungslosen Männern aus München durchgeführt und ausgewertet.

Methodisch orientiert sich die Untersuchung an den Stilvorgaben der Grounded Theory nach Anselm Strauss. Nach einer theoretischen Annäherung an die Problematik der Wohnungslosenkarrieren, wird anhand von fünf ausgewählten Lebensverläufen das Leben von später wohnungslosen Männern beschrieben und in ihrer für die Analyse relevanten Unterschiedlichkeit beleuchtet, um dann den eigentlichen Einstieg in die Wohnungslosigkeit zu analysieren. Als Synthese der beiden vorangegangenen Auswertungskapitel werden im abschließenden Kapitel die Ergebnisse und Zusammenhänge im gesellschaftlichen Kontext analysiert.

Bitte beachten sie auch bei diesem Angebot das Urheberrecht des/der AutorenInnen.

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Lohnt sich ein Download? Ein schneller Blick auf das Inhaltsverzeichnis:
1  Einleitung      1
2  Zentrale Aspekte des Untersuchungsgegenstandes 7
 2.1 Begriffsdefinition und Begriffsdiskussion 7
 2.2 Das Problem in Zahlen und das Versorgungskonzept für
  Wohnungslose in München   10
  2.2.1 Schätzung/Fortschreibung der Gesamtzahl in der BRD   10
 2.2.2 Die aktuelle Situation in München 16
  2.2.3 Institutionen der Wohlfahrtspflege 29
2.3 Der Forschungsstand zur Entstehung von Wohnungslosigkeit   31
 2.3.1 Grundlagenstudie/Günter Albrecht et al. (1990)    33
 2.3.2 Vagabunden in der Großstadt/Girtler, R. (1980)    36
 2.3.3 Lebensbedingungen und Alltag der Stadtstreicher in
   der Bundesrepublik/Weber, R. (1984)     37
  2.3.4  …ohne festen Wohnsitz… Ursachen und Geschichte der Nicht-
   sesshaftigkeit und die Möglichkeit der Hilfe/John, W. (1988)  38
  2.3.5 Ohne Arbeit keine Wohnung, ohne Wohnung keine Arbeit/
  Ruhstrat, E.-U. et.al (1991a)  39
  2.3.6 Wohnungslosigkeit und Subjektentwicklung. Lebenslagen und
  Perspektiven Wohnungsloser in Berlin/Schneider, S. (1997)  41
3 Ursachen der Wohnungslosigkeit – verschiedene Erklärungsversuche   43
3.1 Exkurs: Individualisierende Ansätze  43
  3.1.1 Psychiatrisch-neurologischer Erklärungsansatz    44
 3.1.2 Die Wandertriebtheorie  44
 3.1.3 Das Psychopathie-Konzept bei (Aderhold 1970) und Garcia (1982) 45
 3.1.4 Der Neurologische Ansatz von Veith und Schwindt (1983)   46
 3.1.5 Die Wickertstudie (1976)  47
 3.1.6 Psychische Erkrankung bei obdachlosen Männern und Frauen
  in München/Prof. Dr. M. Fichter et al. (2000)    48
  3.1.7 Der Problemfamilienansatz  49
 3.1.8 Zusammenfassung   50
3.2 Strukturelle Erklärungsansätze  52
  3.2.1 Das sozialökonomische Modell 52
 3.2.2 Der Armutsansatz   54   3.2.3 Der Unterversorgungsansatz  55
 3.2.4 Der Etikettierungs-/Stigmatisierungsansatz     57
 3.2.5 Zusammenfassung   59
4 Verwendete Theoretische Ansätze   61
 4.1 Das Konzept der Lebenslage   61
 4.2 Der Karrierebegriff    64
 4.3 Die Coping-Analyse des sozialen Handelns 71
 4.4 Diskussion des kontingenten Karrieremodells und des sozialen Copings  78
4.5 Die Bedeutung Sozialer Netzwerke  79
 4.6 Anspruch und Ziele meiner Untersuchung 81
5 Der Forschungsansatz: Grounded Theory  84
 5.1 Offenheit     85
 5.2 Kontinuität von alltagsweltlichem und wissenschaftlichen Denken   86
5.3 Theoretical Sampling    87
 5.4 Die Untersuchungsgruppe   88
5.5 Datenerhebung    92
 5.6 Datenauswertung    96
6 Das Leben vor der Wohnungslosigkeit  101
 6.1 Beispiel A: (Erich B.)    103
 6.2 Beispiel B: (Egon S.)    107
 6.3 Beispiel C: (Lothar G.)   111
 6.4 Beispiel D: (Horst S.)    115
 6.5 Beispiel E: (Heinz T.)    121
7 Der Einstieg in die Wohnungslosigkeit  125
 7.1 Strukturbedingtes Hineinschlittern/Scheitern an, mit und durch Strukturen 126
  7.1.1 Nach Wohnungsverlust  127
 7.1.2 Nach Arbeitsplatzverlust  130
 7.1.3 Nach Strafvollzug   132
 7.1.4 Kontextbedingungen von strukturbedingtem Hineinschlittern  135
 7.1.5 Intervenierende Bedingungen von strukturbedingtem Hineinschlittern 137
 7.1.6 Konsequenz von strukturbedingtem Hineinschlittern   138
 7.1.7 Scheitern an, mit und durch Institutionen     140
7.2 Flucht      141
  7.2.1 Flucht nach Scheidung oder Trennung     142   7.2.2 Flucht nach Konflikt mit Eltern/Familie     144
 7.2.3 Flucht vor offenem Strafverfahren 145
 7.2.4 Flucht vor bevorstehender Räumungsklage     146
 7.2.5 Flucht aus Kinder- bzw. Jugendheim     146
 7.2.6 Kontextbedingungen für Flucht 147
 7.2.7 Intervenierende Bedingungen für Flucht     149
 7.2.8 Konsequenz von Flucht  150
 7.2.9 Verlust bzw. das Nichtvorhandensein von Netzwerken/Auflösung
  von traditionellen sozialen Netzwerken 152
8 Die Untersuchungsergebnisse im gesellschaftlichen Kontext    156
 8.1 Familie     158
 8.2 Stadt      162
 8.3 Arbeit      166
9 Schlussbemerkung     169
Literatur  172
Anhang  188
Verzeichnis der Tabellen und Abbildungen  197

Donnerstag, 30. November 2017

[ #kommunalpolitik ] Gerechte Umwelt in Kommunen fördert soziale Chancengleichheit

Zahlreiche Studien zeigen zum Beispiel, dass ärmere Menschen häufig in einer stärker belasteten Umwelt leben und daraus oft erhebliche soziale sowie gesundheitlich bedingte Folgekosten entstehen. 

Umweltpolitik kann helfen, Armutsrisiken zu bekämpfen und sollte in Zukunft verstärkt als präventive Sozialpolitik verstanden werden. Zugleich muss die Umweltpolitik darauf achten, dass sie sozialverträglich ist, das heißt keine unzumutbaren Belastungen bei Haushalten mit geringen Einkommen erzeugt.

Die Unwirtlichkeit unserer Städte. Eines der Gründerwerke der modernen Umweltbewegung in Deutschland war die Schrift von Alexander Mitscherlich „Die Unwirtlichkeit unserer Städte“ (1965). Allerdings: Schon für Friedrich Engels ist in seinem Werk „Lage der arbeitenden Klassen in England“ der Kampf gegen Diskriminierung und Umweltschäden eine Einheit, bei der die Schilderung der Umweltschäden in der Frühzeit der Industrialisierung einher geht mit der sozialen Anklage.

Umweltgerechtigkeit betrachtet deshalb auch die Auswirkungen von öffentlichem Grün auf das Soziale und stellt Umwelt und Mensch in das Zentrum der Betrachtung. In welchem Zusammenhang stehen urbane naturnahe Grünflächen, soziale Ungleichheit und Lebensqualität in der Stadt? Welchen Beitrag können Parkanlagen, Gärten und Wälder, Wasserläufe und andere innerstädtische Naturflächen für die Stadtentwicklung leisten? Was bedeuten naturnahe Freiräume in Städten für sozial benachteiligte Personen?

Die Natur in der Stadt erbringt vielfältige Dienstleistungen mit positiven Effekten auf die Gesundheit der Menschen. So reduzieren beispielsweise Pflanzen durch ihre Filterfunktion Staub- und Lärmemissionen, wodurch gas- und partikelförmige Luftschadstoffe gemindert werden und sich das Mikroklima verbessert. Die Lebensqualität von Menschen in ihrem direkten Wohnumfeld wird durch die Natur entscheidend beeinflusst – auch hierin liegt die soziale Dimension der biologischen Vielfalt.

[ #forumROMANum ] ⇒
Lohnt sich ein Download? Ein Blick in den INHALT:

Vorwort des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
Vorwort der Deutschen Umwelthilfe
Umweltgerechtigkeit – eine vergessene Tradition der Umweltbewegung
Prof. Dr. Joachim Radkau
Umwelt- und Sozialverbände fordern: Mehr Grün in sozial benachteiligten Stadtteilen
UMWELTGERECHTIGKEIT IN DER STADTENTWICKLUNG
Die Bedeutung naturnaher Freiräume in urbanen Räumen
Elke Jumpertz 
Biologische Vielfalt in der Stadt – Ökologischer, sozialer und ökonomischer Faktor
der Stadtentwicklung
Peter Werner
Urbane Realitäten in sozial benachteiligten Quartieren
Ralf Zimmer-Hegmann
Umweltgerechtigkeit als neue ressortübergreifende sozialräumliche Strategie im Land Berlin
Dr.-Ing. Heinz-Josef Klimeczek
Grünnatur – Die unterschätzte Dimension der Stadtentwicklung
Prof. Dr.-Ing. Dittmar Machule
TEEB – The Economics of Ecosystem and Biodiversity – und die Umweltgerechtigkeit
Prof. Dr. Bernd Hansjürgens
BIOLOGISCHE VIELFALT BILDET!
Zusammenhänge zwischen Partizipation, Umweltgerechtigkeit und Umweltbildung
Elke Jumpertz
Das Naturbewusstsein der Deutschen
Dr. Silke Kleinhückelkotten
Die Bedeutung von Natur für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen
Prof. Dr. Ulrich Gebhard
„Vitamin G“ für Bildschirmhocker
Prof. Dr. Gerhard Trommer
Biodiversität als Medium für die Resilienzentwicklung bei Kindern aus Sucht/psychisch
belasteten Familien
Renate und Rainer Bethlehem
Erfolgsbedingungen milieuspezifischer Umweltbildung für bildungsferne Schichten
Thomas Kappauf
Über die Autorinnen und Autoren

Donnerstag, 31. August 2017

[ #reichtum ] Free eBook: Thomas Piketty und die Verteilungsfrage

326 Seiten gedrängte Information von erstklassigen Autoren als kostenlosen Download. Preis ansonsten im Buchhandel: 8,30 EUR.

Thomas Piketty hat mit seinem Werk „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ großes Aufsehen erregt und mannigfaltige Diskussionen in einer breiteren Öffentlichkeit entfacht. Dieser Sammelband diskutiert ausgewählte theoretische und empirische Aspekte des Werkes mit einem speziellen Fokus auf Deutschland. Dadurch sollen einerseits die Verständlichkeit von Pikettys Analysen erhöht und der Zugang zu spezifischen Teilaspekten erleichtert werden. Zugleich soll zur kritischen Auseinandersetzung mit Pikettys Ergebnissen und den daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen aber auch mit seiner Rezeption in Deutschland angeregt werden.

Autoren.
Stefan Bach, geboren 1964, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Staat am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW Berlin und Privatdozent an der Universität Potsdam, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät.
Julian Bank, geboren 1986, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Sozialökonomie an der Universität Duisburg-Essen und Herausgeber des Blogs Verteilungsfrage.org.
Charlotte Bartels, geboren 1984, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für öffentliche Finanzen an der Freien Universität Berlin und koordiniert das Promotionskolleg „Steuer- und Sozialpolitik bei wachsender Ungleichheit“.
Timm Bönke, geboren 1979, ist Juniorprofessor für öffentliche Finanzen an der Freien Universität Berlin.
Peter Bofinger, geboren 1954, ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Würzburg und Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.
Hagen Krämer, geboren 1963, ist Professor für Economics an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft.
Miriam Rehm, geboren 1982, ist Referentin für Verteilung und Makroökonomie in der Abteilung Wirtschaftswissenschaft und Statistik der Arbeiterkammer Wien.
Philipp Scheuermeyer, geboren 1987, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Geldpolitik und internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Würzburg.
Kai Daniel Schmid, geboren 1980, ist Wissenschaftler am Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung und leitet das Referat „Makroökonomie und Einkommensentwicklung“.
Johannes Schmidt, geboren 1967, ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft.
Matthias Schnetzer, geboren 1983, ist Referent für Verteilungsfragen in der Abteilung Wirtschaftswissenschaft und Statistik der Arbeiterkammer Wien sowie Lektor für Wirtschaftspolitik
an der Wirtschaftsuniversität Wien.
Dorothee Spannagel, geboren 1980, ist Referatsleiterin für Verteilungsanalyse und Verteilungspolitik im Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung.
Ulrike Stein, geboren 1973, ist Leiterin des Referats „Wirtschaftspolitische Beratung, Modellsimulation“ im Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung.
Till van Treeck, geboren 1980, ist Professor für Sozialökonomie an der Universität Duisburg-Essen.

[ #forumROMANum ] ⇒
Ein Blick auf den Inhalt vor dem Download:
Autoren v
Vorwort vii
Einleitung 1
Die Piketty-Rezeption in Deutschland 8 - Julian Bank
Make No Mistake, Thomas! Verteilungstheorie und Ungleichheitsdynamik bei Piketty 35 - Hagen Krämer
Zur Bedeutung von r > g in Pikettys „Kapital im 21. Jahrhundert“ 70 - Till van Treeck
Das „Kapital“ im 21. Jahrhundert 98 - Peter Bofinger und Philipp Scheuermeyer
Kapital und Sparen bei Piketty: Einige saldenmechanische Anmerkungen 130 - Johannes Schmidt
Die statistische Erfassung hoher Einkommen, Vermögen und Erbschaften in Deutschland 156 - Charlotte Bartels und Timm Bönke
Persönliche Vermögensteuern in Deutschland: Entwicklung und Perspektiven 189 - Stefan Bach
Kapitaleinkommen und Einkommensungleichheit in Deutschland 238 - Kai Daniel Schmid und Dorothee Spannagel
Einkommensungleichheit: Das vernachlässigte Problem der steigenden Lohnungleichheit 267 - Ulrike Stein
Piketty revisited: Vermögensungleichheit in Europa 288 - Miriam Rehm und Matthias Schnetzer

Donnerstag, 17. August 2017

[ #EU ] Mindestsicherung in der EU

Eine vergleichende Studie über die Systeme in Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, Schweden und Spanien mit Österreich.

Unter sozialer Grund- oder Mindestsicherung versteht man Hilfeleistungen für Personen, die entweder nicht in der Lage sind, ihren eigenen Lebensunterhalt auf dem Niveau des soziokulturellen Existenzminimums aus eigenem Einkommen, Vermögen oder Ansprüchen zu bestreiten, oder die nicht in der Lage sind, sich in besonderen Notlagen aus eigenen Mitteln und Kräften zu helfen.

Eine Grund- oder Mindestsicherung ist also eine bedarfsorientierte Leistung des Sozialstaates, welche garantieren soll, dass alle Bürger eine materielle Lebensgrundlage haben, welche dem Existenzminimum entspricht, wenn diese nicht aus eigenem Einkommen oder Vermögen bezogen werden kann.

In Österreich gibt es als soziale Grundsicherung die Bedarfsorientierte Mindestsicherung. Welche Systeme sozialer Grundsicherung haben aber andere Länder der EU? Die ÖGPP hat sieben ausgewählte Staaten bzw. Systeme (Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, Schweden und Spanien) mit Österreich verglichen. So unterschiedlich die Systeme aufgrund einer unterschiedlichen sozialstaatlichen Tradition auch ausgeprägt sind, gemeinsam ist ihnen vor allem, Menschen in den Arbeitsmarkt zu bringen.


[ #forumROMANum ]
Lohnt sich ein Download? Eon Blick auf den Inhalt sagt mehr: 
Inhaltsverzeichnis
1. Terminologie, Grundannahmen und Ziele einer Grund- bzw. Mindestsicherung 3
1.1. Mindestsicherung, Existenzgeld, Grundeinkommen: eine begriffliche Abgrenzung3
1.2. Aktivierung & workfare als wohlfahrtsstaatliche Prämissen der Gegenwart  5
2. Sozialstaatsstrategien in Europa 12
2.1. Historischer Kontext: Europäische Wohlfahrtsregime 12
2.2. Die soziale Mindestsicherung in ausgewählten Ländern der EU 17
2.2.1. Dänemark    18
2.2.2. Deutschland   21
2.2.3. Frankreich     24
2.2.4. Großbritannien  28
2.2.5. Niederlande    31
2.2.6. Österreich     33
2.2.7. Schweden   37
2.2.8. Spanien    39
3. Das (bedingungslose) Grundeinkommen  44
4. Ausblick: Auf dem Weg zu einer europäischen Grundsicherung? 50
Zusammenfassung     55
Abstract 57
Bibliographie 58

Donnerstag, 3. August 2017

[ #umwelt ] Sozialpolitik ist Umweltschutz: Vögel als urbane Armutsindikatoren

Vögel nur als Kunstwerk? (Bild: Ulmer Spatz, Wikimedia)
Sozialpolitik ist immer auch Umweltschutz, denn die Artenvielfalt in urbanen Landschaften korreliert direkt mit dem Einkommen der Bevölkerung. 

So überraschend ist das Ergebnis dieser Studie nicht, wie es die Autoren darstellen: Die ungleichmäßige Verteilung urbaner Biodiversität spiegelt die sozio-ökonomischen Gegebenheiten in der Stadt Leipzig wider. So ist die Vogelartenvielfalt in sozial schwächeren Gebieten oft geringer als in Gebieten mit überdurchschnittlich hohem Einkommen der Bevölkerung.

Mehrheit wohnt artenarm. 
Diese Einsicht gewannen Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) durch eine Untersuchung zur Brutvogelverteilung in Leipzig. Zwei Drittel der Leipziger leben nach dieser Studie in Gebieten, in denen die Vielfalt an Brutvögeln in der Nachbarschaft unter dem Leipziger Durchschnitt liegt. Dies ähnle der Situation in anderen bereits untersuchten Städten. Nordamerikanische Wissenschaftler hatten vor wenigen Jahren festgestellt, dass Stadtviertel mit höherem sozialen Status häufig auch durch eine höhere Artenvielfalt gekennzeichnet sind als Viertel mit niedrigerem.

Publikation. Wie die Wissenschaftler im Fachblatt "Ecology and Society" schreiben, existiert die größte Vielfalt an Vogelarten häufig in den Stadtgebieten, deren Einwohner gleichzeitig ein höheres Durchschnittseinkommen beziehen.

Ungleichheit an Natur und Gesundheit. Für ihre Studie hatten die Forscher nämlich die Anzahl der Vogelarten mit Daten zur Landnutzung, Einwohnerdichte, Haushaltsgröße, Durchschnittsalter, Wohnungsleerstand und Durchschnittseinkommen der Bevölkerung verglichen. Die Habitate der Wohlhabenderen sind durch große Anteile von qualitativ hochwertigen Grünflächen charakterisiert. Aus diesem Grund sollten Stadtplaner in eher benachteiligten Stadtteilen mehr Anstrengungen zur Verbesserung der Grünflächen in Qualität und Quantität unternehmen. Dadurch kann zu einer Erhöhung der Biodiversität beigetragen werden und damit allen Stadtbewohnern gleichermaßen Naturerlebnisse ermöglichen. Eine Reihe von Studien weist zudem darauf hin, dass ein positiver Zusammenhang zwischen artenreichem städtischen Grün und der Gesundheit der Bewohner besteht.

Betucht. Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler die Anzahl der Brutvogelarten in einem Radius von 500 Metern rund um Wohnstandorte. Wie viele Vogelarten Leipzigerinnen und Leipziger tatsächlich an ihrem Wohnort wahrnehmen können, hängt vor allem vom Wohngebiet ab: Je nach Stadtviertel leben im betrachteten Radius lediglich 12 und steigern sich in den betuchten Viertel auf 73 Arten.


[ #forumROMANum ]

Mittwoch, 28. Dezember 2016

[ #armut ] Studie zu Armut aus Sicht der Kinder: Kostenlose Nachhilfe gefordert

Volkshilfe-Studie untersucht die Lebensbedingungen von armutsbetroffenen, armutsgefährdeten und nicht-armutsgefährdeten Kindern und Jugendlichen. 

An der Spitze der Schlussfolgerungen steht das was der Dornbirner Schülerclub tut: Kostenlose Nachhilfe (für 200 SchülerInnen mit täglicher Öffnungszeit von fünf Stunden - in diesem Umfang wohl einmalig in Österreich).
Vorarlberger-Bloghaus-Service. Dies ist nur der Hinweis auf einen Beitrag eines hier verlinkten Weblogs, einer Website oder eines Downloads. Mehr erfährt man, wenn man den untenstehenden Links folgt! Nütze auch den Link „[Google Search] ⇒ “. Er liefert allenfalls einen aktuelleren Link im Falle einer Verwaisung und/oder auch zusätzliche oder aktuellere Infos!
[ #forumROMANum ] ⇒

Montag, 1. August 2016

[ #lesen! ] Energiearmut: Essen oder heizen?

Um Energiearmut  wirklich zu verhindern, sind gezielte Maßnahmen von Politik und Energieversorgern nötig.

"Im Jahr 2012 waren in Österreich 14,4% der Bevölkerung armutsgefährdet, 4% der Gesamtbevölkerung erheblich materiell depriviert und 7,6% (nur Personen unter 60 Jahren) lebten in Haushalten mit keiner oder sehr niedriger Erwerbsintensität. 263.000 Menschen ist es finanziell nicht möglich ihre Wohnung angemessen warm halten (EU-SILC 2012, Statistik Austria 2013). Laufend steigende Energiepreise setzen von Armut betroffene Menschen immer weiter unter Druck, Energiearmut kann die Folge sein. Nicht alle einkommensschwachen Haushalte sind energiearm, jedoch steigt die Wahrscheinlichkeit von Energiearmut mit niedrigem Einkommen stark an." (Energiearmut in Österreich: Was ist Energiearmut?)

In einem Schwerpunktbeitrag listet die Zeitschrift "Arbeit und Wirtschaft" Maßnahmen gegen die Energiearmut auf:
  • Entwicklung und Finanzierung einer nationalen Strategie gegen Energiearmut unter der Federführung eines relevanten Ministeriums.
  • Niederschwellige und kostenlose Vor-Ort-Beratung kombiniert mit Sofortmaßnahmen.
  • Verbot von Energieabschaltungen im Winter in Kombination mit Maßnahmen zur Abschaltprävention.
  • Möglichkeit der Beantragung auf Befreiung von verbrauchsunabhängigen Kostenbestandteilen von Strom, Gas und Fernwärme sowie von Energiesteuern für alle energiearmutsbetroffenen Haushalte.
  • Einrichtung eines Energieunterstützungsfonds ähnlich dem VERBUND-Stromhilfefonds der Caritas.
  • Steigerung der Sanierungsquote von Gebäuden und Priorisierung thermischer Sanierungsmaßnahmen unter Berücksichtigung von Energiearmut (Konzentration auf Wohngebiete, in denen sich ein hoher energetischer Sanierungsbedarf mit einer einkommensschwachen BewohnerInnenstruktur überlappt).
Arbeit & Wirtschaft. Am 1. Jänner 1923 erschien „Arbeit & Wirtschaft“ zum ersten Mal, herausgebracht von Arbeiterkammer (AK) und Österreichischem Gewerkschaftsbund (ÖGB). Das Magazin kann abonniert werden, steht aber auch kostenlos online.


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Donnerstag, 26. November 2015

[ #menschenrechte ] Vorarlbergs SozialarbeiterInnen sind wegen Vorarlbergs Roma-Politik besorgt

Stellungnahme des Vorarlberger Berufsverbands der SozialarbeiterInnen zum aktuellen Umgang der Landes- und Städtepolitik mit ArmutsmigrantInnen aus EU-Ländern: Es gilt die Armut zu bekämpfen und nicht die Armen. 
Mit Sorge verfolgen wir die aktuellen Diskussionen und Entscheidungen der Landes- und Gemeindepolitik im Zusammenhang mit den sich hier aufhaltenden ArmutsmigrantInnen aus Südosteuropa.  
Das Auftreten dieser verarmten Menschen in Wohlstandsregionen des europäischen Westens kann schon seit einigen Jahren beobachtet werden. Relativ neu ist, dass sich diese Menschen auch in Vorarlberg aufhalten. Sie machen ihre Armut bei uns sichtbar, in dem sie im öffentlichen Raum campieren und betteln. Armut wird so für viele von uns greifbar. Das verstört, ängstigt und fordert heraus.  
Gleichzeitig löst das Sichtbarsein dieser extremen Armut in der Bevölkerung Unterschiedliches aus. Unterstützung und Bereitschaft zur Hilfe auf der einen Seite, stehen Ablehnung und der Ruf nach Verboten, polizeilicher Kontrolle bis hin zu Vertreibung auf der anderen Seite gegenüber.  
Es steht außer Frage, dass es im Zusammenhang mit dieser Thematik keine schnelle und einfache Lösung gibt. Dass die Politik aber ausschließlich auf sicherheitspolizeiliche Maßnahmen und Verbote setzt ist nicht nachvollziehbar. In erster Linie handelt es sich um eine Problematik extremer Armut, die zuerst auf sozialpolitischer Ebene und nicht auf sicherheitspolitischer Ebene diskutiert werden muss. Vertreibung, Verbote und Druck von allen Seiten werden die Situation nicht verbessern. Die  Menschen werden trotzdem kommen und nach Auswegen aus ihrer Armut suchen. 
Es gilt die Armut zu bekämpfen und nicht die Armen. In erster Linie braucht es pragmatische und deeskalierende Schritte. Und es benötigt eine Kommunikationsbasis auf Augenhöhe, die eben nicht über die Polizei oder sonstige BehördenvertreterInnen funktionieren kann. Dafür bedarf es unserer Meinung nach professionelle Soziale Arbeit, die auf Augenhöhe zwischen den notreisenden Menschen, den Sicherheitsbehörden und der Bevölkerung vermitteln kann und gleichzeitig aktive Hilfe und Unterstützung anbietet.  
Wir sind ebenso erstaunt über die Aussagen der Landespolitik, Kinder von Armutsreisenden zwangsweise entziehen zu wollen. Selbstverständlich stellt die Obdachlosigkeit im Winter eine Gefährdung für Kinder dar. Das Kinder- und Jugendhilfegesetz sieht in allererster Linie aber eine Hilfe und Unterstützung für die Familien vor. Eine Kindesabnahme damit zu begründen, dass die Eltern verarmt sind, widerspricht jedem Verständnis von Menschenrechten und Menschenwürde. 

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Mittwoch, 29. Juli 2015

[ #Armutsbericht #Vorarlberg ] Altersarmut made in Vorarlberg: Vorarlberger haben niedrigste Pensionen Österreichs

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In Vorarlberg leben ~ 85.000 PensionistInnen. 

Ungleichgewicht. Das sind um 15.000 mehr als vor zehn Jahren. Rund 74.000 sind in der Pensionsversicherungsanstalt der Arbeitnehmer, 11.000 bei den Selbständigen versichert. Sie erfahren keine Gleichbehandlung. Die Pensionsbezieher aus dem Stand der Arbeitnehmer in Vorarlberg haben die niedrigsten Pensionen, die der Selbständigen in Vorarlberg die höchsten Österreichs.

Aber was schert das die Politik?

Der Sachverhalt ist seit vielen Jahren so und auch bekannt, ohne dass sich irgendeine Partei, eine Gewerkschaft, eine Institution oder auch nur ein Pensionistenvertreter der Sache annimmt. Mein Freund Bernhard Amann hat schon 2010 darauf hingewiesen (Wussten Sie, dass Vorarlbergs Senioren die kleinsten Pensionen bekommen?). Aber die Diskussion läuft immer um dasselbe. Man müsse das Pensionsalter der Frauen oder gar insgesamt erhöhen, die Menschen werden zu alt oder die Pensionen seien in Zukunft "nicht sicher" oder eben "gesichert". Daneben spricht man höchstens noch von ein paar Prozetpunkten plus oder minus.

Niemand in Vorarlbergs Politiklandschaft geht diesem Skandal auf den Grund. Warum? Weil man es nicht wissen will und vor allem weil die Altersarmut weiblich und in Vorarlberg durch die Politik selbstgemacht ist. Die Verantworlichen reden lieber über ihren Tagesblabla und die Medien berichten eben über diesen. So ist es für alle Seiten am bequemsten.

Die Durchschnittspension von Herrn und Frau Vorarlberger die als Arbeitnehmer ihre Pension angespart haben beträgt in Vorarlberg 1.219 €. Schon der Tiroler Pensionist - er hat die zweitschlechteste Pension - erhält im Jahr 1000 Euro mehr, der aus Niederösterreich monatlich mehr als 200 € mehr, das ergibt im Jahr über 3000 Euro mehr. Diese Zahlen gelten wohlgemerkt einschließlich allfälliger Ausgleichszulagen und Kinderzuschüssen.

Vorarlberger Arbeitnehmer altersarm. Und dann der Blick auf die Pensionsversicherung der Unselbständigen. Sie bekommen Österreichs höchste Pensionen von durchschnittlich 1458 €, im Jahretwa 3000 € mehr als die Arbeitnehmer Vorarlbergs. Der Unterschied zu den nächsthöchsten Pensionen, die sind in Wien, ist gerade mal ein Euro, also in etwa gleich.

Schauen wir uns nun aber die Differenz zwischen Arbeitnehmer- und Unternehmer-Pensionen an:

Bundesland
Arbeitnehmer-Pension(A)
Unternehmer-Pension(U)
Plus für U

Wien
1.424 €
1.457 €
+  33€
Vorarlberg
1.219 €
1.458 €
+ 239€

Differenz zu Vorarlberg
-205 €
+ 1 €
+ 206 €

Müder Politiktross. Weitere Informationen erhält man in Vorarlberg dazu nicht. Wer sich interessiert, der möge die Zahlen im Handbuch 2015 der österreichischen Sozialversicherung nachlesen (S. 87). Im Übrigen gilt das weiter was ich schon vor einem Jahr in einem Blogbeitrag "Arme Vorarlberger Arbeitnehmer-Pensionisten" geschrieben habe. Es lohnt sich dort weiter zu lesen.

Freilich hat der seinerzeitige Blogbeitrag den Verantwortlichen nicht gefallen und sie haben ihn einfach ignoriert. Die für diesen Missstand Verantwortlichen haben nämlich keine kleine Pension sondern Pensionsprivilegien, die weit über das hinaus gehen was man hier schon eine gute Pension nennen könnte. Der sichtlich müde Vorarlberger Politiktross produziert damit Politikverdruss.

Dass unsere Alten nicht mehr betteln gehen. Ferdinand Freiligrath, ein großen liberalen Freigeist der bürgerlichen Revolution von 1848, forderte in einem Gedicht, das die seinerzeitige Arbeiterbewegung und Sozialdemokratie freudig in ihr Kulturgut aufnahm, dass "unsere Alten nicht mehr betteln gehen":
"Was wir ersehnen von der Zukunft Fernen,
Dass uns Arbeit und Brot gerüstet stehen,
Dass unsere Kinder in der Schule lernen
Und unsere Alten nicht mehr betteln gehen." 
Aber das ist wohl wieder eine andere Geschichte - leider eben Geschichte.

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Dienstag, 24. März 2015

[ #frauen ] Die Erwerbsintegration von Alleinerziehenden muss verbessert werden!

Alleinerziehende Frauen beziehen überdurchschnittlich lange und überdurchschnittlich häufig Grundsicherungsleistungen für Arbeitssuchende. Auch in Vorarlberg gehört diese Gruppe zu den Armen und Armutsgefährdeten. Daher lohnt es sich über die Grenzen zu schauen.

Sie unterliegen einem hohen Armutsrisiko. Der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. fordert daher in seinen kürzlich verabschiedeten Empfehlungen, eine Verbesserung der strukturellen Rahmenbedingungen der Erwerbsintegration für Alleinerziehende. Immer noch mangelt es an familienfreundlichen Arbeitsplätzen oder es fehlen Kinderbetreuungsplätze, und immer noch erschweren länger zurückliegende Berufserfahrungen in Folge von Erziehungszeiten den Wiedereinstieg ins Berufsleben.

Schema "F" hilft nicht!  Alleinerziehende brauchen eine sehr individuelle Beratung und Förderung durch die Institutionen der Arbeitsmarktverwaltung. Die jeweiligen Lebensumstände müssen genau betrachtet werden. Schema "F" hilft nicht! Es sollten qualifizierende Maßnahmen in Teilzeit oder mit flexiblen Teilnahmezeiten ermöglicht werden. Die Maßnahmen müssten eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ermöglichen. Zudem brauche es mehr Teilzeitausbildungen für Alleinerziehende ohne beruflichen Abschluss. Hier seien auch Unternehmen, Kammern und Berufsschulen gefragt.

Hintergrundinformation. Der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. ist das gemeinsame Forum von Kommunen und Wohlfahrtsorganisationen sowie ihrer Einrichtungen, der Bundesländer und von den Vertretern der Wissenschaft für alle Bereiche der sozialen Arbeit und der Sozialpolitik. Er begleitet und gestaltet durch seine Expertise und Erfahrung die Entwicklungen u.a. der Kinder-, Jugend- und Familienpolitik, der Sozial- und Altenhilfe, der Grundsicherungssysteme, der Pflege und Rehabilitation. Der Deutsche Verein wird gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Die Empfehlungen (DV 23/14) wurden von der Arbeitsgruppe „SGB II“ erarbeitet, im Arbeitskreis „Grundsicherung und Sozialhilfe“ sowie im Fachausschuss „Sozialpolitik, soziale Sicherung, Sozialhilfe“ beraten und am 11. März 2015 vom Präsidium des Deutschen Vereins verabschiedet.


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