Samstag, 6. Juni 2015

[ #migration ] Dr. Abdullah Bey - Der Österreicher, der die Türkei um Asyl bat ...

Miralay Dr. Abdullah Bey, alias Karl Eduard Hammerschmidt rechts im Bild. 
Briefmarke 1968 aus Anlass des 100jährigen Jubiläums des Roten Halbmondes
Miralay Dr. Abdullah Bey  - Karl Eduard  Hammerschmidt  -  Humanist, Naturwissenschaftler und Narkosepionier war ein österreichisch - türkischer Forscher und Mediziner, studierte auch Philosophie und Juristerei. Er musste 1848 aus Wien fliehen und erhielt in der Türkei Asyl. Er gilt als ein Begründer des Roten Halbmondes.

Pionier der Narkosetechnik.  Dr. Karl Eduard Hammerschmidt wurde in Wien am 12. Juni 1801 geboren. Er studierte angeblich erfolgreich die Rechtswissenschaften, arbeitete als Redakteur und studierte schließlich noch Medizin. Er war wissenschaftlich anerkannt: Es erfolgte am 3. August 1833 die Aufnahme in die Kaiserlich-Leopoldinische-Akademie der Naturforscher in Bonn. Am 07.10.1846 wurde er Mitglied der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt. Auch war er Mitglied der königliche entomologischen Gesellschaft zu London.

Er betätigte sich in verschiedenen naturwissenschaftlichen Sparten und wurde in Anerkennung seiner Leistungen in die Kaiserlich-Leopoldinische Akademie der Naturforscher in Bonn aufgenommen. Von Februar 1847 bis März 1848 führte er zahlreiche Äthernarkosen zusammen mit Zahnarzt Dr. J. Weiger in Wien durch. Am 11. Juli 1847 veröffentlichten sie eine erste Statistik mit 1.560 Ätherisierungen bei Zahnoperationen neben zahlreichen Selbstversuchen und Untersuchungen mit Äther bei Tieren und Gesunden. Hammerschmidt und Weiger stellten durch Versuche mit dem überschwänglich gerühmten Chloroform fest, dass Äther weniger Nebenwirkungen hervorrief und auch sonst vorteilhafter wirkte. Dies wurde viele Jahre später im Jahre 1892 durch Narkosestatistiken bestätigt, als man erkannte, dass Chloroform viermal so häufig Todesfälle hervorrief als Äther. Hammerschmidt und Weiger hatten schon 1847 und 1850 darauf hingewiesen. Seine Verdienste zur wissenschaftlichen Erforschung und Verbreiterung der Ätheranästhesie umfassen die frühzeitige Publikation einer Stadieneinteilung für Ätheranästhesie, die Einführung eines Narkoseprotokolls für Patienten, das auch für die statistische Erfassung geeignet war und die frühzeitige Erkenntnis, daß das Hörvermögen während der Anästhesie sehr lange erhalten bleibt.

Dr. Hammerschmidt unterzeichnet
als Mitglied des Comite
 
Schicksalsjahr 1848. Der aufgeklärte Mediziner, Rechtswissenschafter und Redakteur stand 1848 auf der Seite der Bürger und Revolutionäre an den Barrikaden. So musste er wegen der Teilnahme an der Oktoberrevolution 1848 fliehen und kämpfte auf Seiten der Ungarn weiter, zuletzt in Siebenbürgen. Mit vielen Leidensgenossen wurde er bei den Auseinandersetzungen über die türkische Grenze gedrängt und erhielt dort - wie man heute sagen würde - von den Türken, vom Osmanischen Reich Asyl.


Abdullah Bey. Wann und wie wissen wir hier nicht, schon weil es im Islam kein so förmliches formularbasiertes Aus- und Eintreten gibt wie bei den christlichen Gemeinschaften. Jedenfalls trat er zum Islam über und nannte sich fortan "Abdullah Bey". Von seiner bald errungenen Stelle als Lehrer an der medizinischen Schule zu Konstantinopel verdrängten ihn vorerst noch die Interventionen der Österreichischen Regierung. Er wurde dann in Damaskus mehrere Jahre als Spitalarzt verwendet und diente als Arzt und Oberst der türkischen Armee im Krimkrieg. Während des 1. Krimkrieges kämpfte er auf Seiten der Osmanen gegen die Russen. Die Russen wollten Gebiete des Osmanischen Reiches vereinnahmen. Dagegen wehrten sich nicht nur die Türken. Auf ihrer Seite standen auch die Soldaten Englands und Frankreichs als deren Allierte.

Arzt und Naturforscher. Später wurde er als Arzt an Istanbuler Krankenhäuser und auch als Professor an die Medizinische Fakultät Istanbul berufen. Jedenfalls war er während der Wiener Weltausstellung schon als türkischer Kommissar wieder in Wien und seit 1873 Lehrer der Mineralogie und Zoologie an der medizinischen Schule zu Konstantinopel, für welche er auch ein naturhistorisches Museum gründete. Außer zoologischen und geologischen Lehrbüchern in türkischer Sprache lieferte Abdullah Bey wertvolle Beiträge zur geologischen und zoologischen Kenntnis der Bosporusgegenden.

Roter Halbmond. 1864 wurde er vom Zentralkomitee des Internationalen Roten Kreuzes in Genf mit der Gründung einer solchen Organisation in der Türkei beauftragt. Dem in Wien geborenen Abdullah Bey gebührt gemeinsam mit Dr. Kırımlı Aziz Bey, Dr. Marko Paşa somit das Verdienst um die Gründung des Roten Halbmondes in der Türkei im Jahr 1869. Sogar die Habsburger Monarchie ehrte ihn 1869 ebenfalls mit Orden und Auszeichnungen. Er starb hochgeachtet bei der geologischen Untersuchung einer neuen Eisenbahnlinie in Kleinasien am 30. August 1874. Die türkische Post widmete ihm anlässlich des 100. Gründungsjahres 1968 eine Briefmarke.


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