Dienstag, 16. August 2016

[ #religion ] Der Islam in Österreich - Ein Überblick

FreeBook. Die ÖGPP - Österreichische Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung - eine Denkwerkstatt für politische, wirtschaftliche und soziale Analysen und Strategien - hat ein interessantes Dokiment aufgelegt.  

Der Beitrag versteht sich als kurzer und verständlicher Überblick zum Islam in Österreich und enthält zahlreiche Hinweise auf weiterführende und vertiefende Literatur.

Der Islam ist keine monolithische Religion. Den Islam gibt es deshalb ebensowenig wie das Christentum. Dennoch galt der sunnitische Islam hanefitischer Rechtsschule lange Zeit als der rechtmäßige Vertreter der Religionsgemeinschaft in Österreich, wo der Islam bereits seit mehr als einhundert Jahren anerkannt ist. Wie ist die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGIÖ) heute verfasst, was sind ihre Aufgaben und woher kommen die Mitglieder der großen Moscheevereine, die in der Regel noch nach nationalen oder ethnischen Richtlinien organisiert sind – auch wenn viele der in Österreich lebenden Muslime bereits im Besitz der österreichischen Staatsbürgerschaft sind. Die wichtigsten Konfliktfelder zwischen der österreichischen Mehrheitsgesellschaft und den hier lebenden Muslimen sind seit Jahren dieselben – Verschleierung, rituelle Schächtung und die Errichtung von islamischen Kultstätten. Nicht abschließend beantwortet werden kann die Frage, ob sich die in Österreich lebenden Muslime mehrheitlich auf dem Weg einer allmählichen Säkularisierung oder aber auf einem verstärkten Rückzug in eine radikale Religiosität befinden. Unklar ist auch, welche Auswirkungen das neue Islamgesetz haben wird, dessen seit Ende 2014 vorliegender Entwurf bereits für kontroverse Diskussionen gesorgt hat.

Vorwort. Zahlreiche AutorInnen haben darauf hingewiesen, dass die Situation der Muslime in Österreich insofern einzigartig in Europa sei, als der Islam bereits 1912 als Religionsgesellschaft anerkannt wurde und den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts genießt – ein Resultat der historischen Beziehungen Österreichs zum Balkan, insbesondere zu Bosnien und Herzegowina.
Dieser Startvorteil wurde in den letzten Jahrzehnten, die von einer Zunahme islamkritischer – nicht selten sogar –feindlicher! – Äußerungen in Politik und Medien gekennzeichnet waren, allerdings leichtfertig verspielt.

Unbestritten ist, dass der Islam in Österreich aufgrund der demographischen Entwicklungen eine nicht mehr zu vernachlässigende Größe darstellt. Die Muslime sind mittlerweile auch im Alltag „sichtbar“ geworden und fordern mit neuem Selbstbewusstsein die ihnen zustehenden Rechte ein. Gleichzeitig hat, v.a. seit dem Aufleben des islamischen Fundamentalismus weltweit, die kulturelle und soziale Kluft zwischen den Muslimen und Teilen der österreichischen Mehrheitsbevölkerung zugenommen. In den von der österreichischen Gesellschaft lange Zeit vernachlässigten Zuwanderermilieus sind vermehrt politischer Radikalismus, Antisemitismus und eine allgemein antiwestliche Einstellung anzutreffen, auch wenn es zum Ausmaß dieses Phänomens sehr unterschiedliche Angaben und Meinungen gibt.

All das stellt den österreichischen Staat, aber auch die in Österreich lebenden Muslime vor eine Vielzahl von z.T. neuen Herausforderungen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil dem Islam ein umfassender gesellschaftlicher Regelungsanspruch inhärent ist und einige seiner strukturellen Eigenheiten, wie z.B. das Fehlen eines alle Gläubigen umfassenden religiösen Lehramts oder eines förmlichen Mitgliedschaftsrechts, seine rechtliche Verankerung erschweren.

Das seit längerem vorbereitete und nunmehr gültige neue „Islamgesetz“ enthält zudem einige Formulierungen, die nach Ansicht mancher ExpertInnen den Islam und seine Anhänger quasi „unter Generalverdacht“ stellen und durchaus den Charakter einer „Anlassgesetzgebung“ besitzen.

[ #forumROMANum ]
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Vorwort 3
1. Der Islam  Grundlagen  4
1.1. Islamische Strömungen und Rechtsschulen 6
1.2. Islamische Bruderschaften 8
1.3. Islamismus und islamischer Fundamentalismus 10
1.4. Der „heilige Krieg“ 13
 2. Der Islam in Österreich 14
2.1. Frühe Anerkennung 14
2.2. Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) 17
2.3. Islamunterricht 19
2.3.1. Die Islamische Religionspädagogische Akademie (IRPA) 21
2.3.2. Forschungseinheit Islamische Religionspädagogik der Universität Wien 21
2.3.3. Privater Hochschullehrgang für Islamische Religionspädagogische Weiterbildung (IHL) 22
2.4. Soziale Einrichtungen von Muslimen für Muslime 22
2.5. Friedhöfe 23
2.6. Weitere islamische Organisationen in Österreich 23
2.6.1. Türkisch Islamische Union für kulturelle
und soziale Zusammenarbeit in Österreich (ATİB) 23
2.6.2. Österreichische Islamische Föderation (AIF) 24
2.6.3. Union islamischer Kulturzentren (UIKZ) 25
2.6.4. Türkische Kultur- und Sportgemeinschaft in Österreich (ADÜFT) 26
2.6.5. Weitere türkisch-islamistische Bewegungen 26
2.6.6. Dachverband der Bosniaken in Österreich 26
2.6.7. Arabische Muslime 27
2.6.8. Islamische Alevitische Glaubensgemeinschaft in Österreich (ALEVI) 27
2.6.9. Schiiten Vereinigung Ahl-ul Bayt 28
3. Anzahl und Herkunft der Muslime in Österreich Anzahl und Herkunft der Muslime in Österreich 28
4. Konfliktfelder Konfliktfelder Konfliktfelder 31
4.1. Kopftuch und Verschleierung 31
4.2. Das Schächten nach islamischem Ritus 32
4.3. Die Errichtung von Moscheen und Minaretten 33
5. Rückzug in die Religiosität oder allmähliche Säkularisierung? die Religiosität oder allmähliche Säkularisierung? die Religiosität oder allmähliche Säkularisierung? 36
6. Das neue Islamgesetz

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