Mittwoch, 22. Juli 2015

[ #zivildienst ] Militärgeschichte aus der Perspektive des Weglaufens

 Denkmal für den unbekannten Wehrmachtsdeserteur
Zu der Deserteursdebatte gibt es interessantes Hintergrundmaterial: Der in Kopenhagen lehrende Soziologe Henning Eichberg hat in der Zeitschrift zur Erforschung des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit, (Duncker & Humblot Heft 3/2000) seine Untersuchung über "Desertion zwischen Individualisierung, Zivilgesellschaft, Macht und Markt" veröffentlicht.

Der Soziologe Henning Eichberg definiert anhand des Deserteurs eine neue Form der Sozialgeschichte des Militärs, die aus der Perspektive des "Verweigerers":
"Den Deserteur umgab lange Zeit ein eigentümliches Schweigen. Gegenstand der Militärgeschichte war der Soldat, der kämpfte oder doch wenigstens zur Verfügung stand, und nicht derjenige, der weglief. Das Schweigen ist neueren Datums, denn im 18. Jahrhundert war die Desertion durchaus ein öffentliches Gesprächsthema. Doch dann verstummte der Diskurs, beginnend mit einem Verstummen des Deserteurs selbst, und das gibt der Figur des Deserteurs einen eigentümlichen Reiz, fast mehr noch als die Aufregung über den "Verräter". Auch das Verstummen ist, wie sich bei näherer Betrachtung zeigt, eine Art der Rede. ..."
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