Sonntag, 3. Mai 2015

[ #reichtum ] Der neue Feudalismus: Pikettys Thesen kurz und bündig erklärt

Die österreichische Arbeiterkammer hat eine Broschüre zu Pikettys Thesen online gestellt. 

Der französische  Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty landete in den USA einen Megabestseller und das auch noch mit einer Kapitalismuskritik. Das Buch, "Das Kapital im 21. Jahrhundert" ist mittlerweile ein Standardwerk, die weltweit umfassendste Datensammlung zum Thema Ungleichheit. Er warnt vor einem neuen Feudalismus und sieht die europäische Gesellschaft wie in einer Monarchie.

Thomas Piketty zeigt, dass das Ausmaß der Umverteilung von Arbeit zu Kapital in Zeiten von entfesselten Finanzmärkten, Privatisierungen und internationalem Steuerwettbewerb untragbar geworden ist. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind leistungslose Einkommen aus hohen Vermögen, wie etwa aus großen Erbschaften, wieder so ausschlaggebend für den sozialen und ökonomischen Status wie zuletzt in der Monarchie. Deshalb sind viele Menschen auch in Österreich besorgt, dass die Ungleichheit immer weiter zunimmt und der gesellschaftliche Reichtum in nur wenigen Händen konzentriert ist. Für die Arbeiterkammer ist Gerechtigkeit eine wesentliche Forderung, die auch eine gerechtere Verteilung von Vermögen und Einkommen umfasst. Denn die immense Vermögenskonzentration widerstrebt nicht nur dem Gerechtigkeitsempfinden, sondern bedeutet auch eine erhebliche wirtschaftliche Instabilität, wie Piketty eindrucksvoll darlegt.


These 1
Die Bedeutung von Kapital im Vergleich zum jährlich erwirtschafteten Einkommen steigt seit Mitte des 20. Jahrhunderts an.
These 2
Die Daten zeigen eine drastische Vermögensungleichheit: die meisten Menschen haben nur sehrwenig Vermögen; nur sehr wenige Menschen besitzen sehr viel.
These 3
Seit den 1980ern steigen hohe Einkommen besonders stark, mittlere und niedrige Einkommen stagnieren hingegen. Die Einkommensungleichheit spitzt sich folglich zu.
These 4
Durch die hohen Vermögensrenditen wachsen Vermögen schneller als die Wirtschaftsleistung eines Landes. Einige Jahrzehnte im 20. Jahrhundert stellten zwar eine historische Ausnahme dar, jetzt
nehmen die Vermögen jedoch wieder schneller zu als die Wirtschaft.
These 5
Erbschaften haben eine große Bedeutung für die ungleiche Verteilung von Vermögen. Die Geburtslotterie bestimmt, wer sehr reich wird, denn nur wenige Menschen kommen in den Genuss einer großen Erbschaft.
These 6
Wenn die steigende Ungleichheit nicht durch politische Maßnahmen eingedämmt wird, werden sich soziale Unruhen häufen und demokratische Strukturen ausgehöhlt.
These 7
Um das weitere Aufgehen der Schere zwischen Arm und Reich zu bremsen, ist eine progressive Besteuerung von Vermögen und Einkommen unerlässlich.

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