Samstag, 13. Juli 2019

[SozialesLeid⇔SozialesLied] Ich bin Soldat, doch bin ich es nicht gerne


Dieses Antikriegslied entstand noch vor dem deutsch-französischen Krieg 1870/71. 

Es wurde verboten, jedoch in der deutschen und österreichischen Armee bis 1918 gesungen. Es erlangte in Arbeiterbewegung und Sozialdemokratie während des deutsch-französischen Krieges erhebliche Popularität.


1871 wurden ein Buchdruckereibesitzer und ein Schriftsetzer aus Zwickau des Hochverrats angeklagt und später freigesprochen, weil sie dieses Lied in 800 bis 900 Exemplaren hatten verbreiten wollen. Noch 1896 trug es einem aufmüpfigen Sänger ein Jahr Festungshaft ein.

Zwei Versionen. Kegels Text thematisiert treffend die Unlust eines zum Dienst fürs Vaterland gepressten Soldaten, wogegen Hirschs satirisch-bittere Fassung eine nur scheinbar positive Aussage zum Soldat-sein-Müssen trifft. Lieder, die sich kritisch oder anklagend mit dem Militär auseinander setzen, haben selten prominente Verfasser. Oft spontan, auf bereits populäre Melodien getextet, entstanden sie vielfach im Schutz der Anonymität. Anders hier, in der Parodie auf "Ich bin Soldat doch bin ich es nicht gerne".

Ich bin Soldat, doch bin ich es nicht gerne
Text: vermutlich Max Kegel, vor 1870
Musik: " Denkst du daran, mein tapferer Lagienka "

Ich bin Soldat, doch bin ich es nicht gerne,
als ich es ward, hat man mich nicht gefragt.
Man riss mich fort, hinein in die Kaserne
gefangen ward ich, wie ein Wild gejagt
ja, von der Heimat, von des Liebchens Herzen
musst´ ich hinweg und von der Freunde Kreis.
Denk ich daran, fühl´ ich der Wehmut Schmerzen
fühl´ in der Brust des Zornes Glut so heiß.

Ich bin Soldat, doch nur mit Widerstreben
ich lieb' ihn nicht, den blauen Königsrock
ich lieb' es nicht, das blut'ge Waffenleben
mich zu verteid'gen wär' genug ein Stock.
O sagt mir an, wozu braucht ihr Soldaten?
Ein jedes Volk liebt Ruh' und Frieden nur
allein aus Herrschsucht und dem Volk zum Schaden
lasst ihr zertreten, ach, die gold'ne Flur!

Ich bin Soldat, muss Tag und Nacht marschieren
statt an der Arbeit, muss ich Posten steh'n
statt in der Freiheit, muss ich salutieren
und muss den Hochmut frecher Burschen seh'n.
Und geht's ins Feld, so muss ich Brüder morden
von denen keiner mir zuleid was tat
dafür als Krüppel trag' ich Band und Orden
und hungernd ruf ich dann: Ich war Soldat!

Ihr Brüder all', ob Deutsche, ob Franzosen
ob Ungarn, Dänen, ob vom Niederland
ob grün, ob rot, ob blau, ob weiß die Hosen
gebt euch statt Blei zum Gruß die Bruderhand!
Auf, lasst zur Heimat uns zurück marschieren
von den Tyrannen unser Volk befrei'n
denn nur Tyrannen müssen Kriege führen
Soldat der Freiheit will ich gerne sein

Alternative letzte Strophe aus dem 1. Weltkrieg:

Drum Brüder all, ob Deutsche, ob Franzosen,
Ob Russe oder ob von Engeland,
Ob schwarz, ob weiß, ob grün, ob gelb die Hosen,
Tretet zusammen und reichet euch die Hand!
Und nach der Heimat laßt uns hinmarschieren
Und unser Volk von dem Tyrann befrein,
Denn nur Tyrannen können Kriege führen,
Soldat der Freiheit möchte ich wohl sein!

Ich bin Soldat und bin es mit Vergnügen
Text:  Carl Hirsch, nach 1870
Musik: auf die Melodie " Denkst du daran mein tapferer Lagienka "
in Max Kegel : Sozialdemokratisches Liederbuch von 1896, Seite 63

Ich bin Soldat und bin es mit Vergnügen
als man mich nahm, hat man mich erst gefragt
"Wirst du´s auch gern?" ich sprach: " Ich müsste lügen,
wenn dies Geschäft nicht stets mir zugesagt"
Was gibt es schön´res denn, wie Exerzieren
Patrouillen, Posten, Ordonnanzen sein
Und auf Befehl bald Stehen, bald marschieren
O welches Glück, welch Glück, Soldat zu sein!

Ich bin Soldat, was kann es Schön´res geben
in Lust und Kurzweil mir die Stunden fliehn
Mein Sold ist reichlich für ein flottes Leben
Kasernen sind mir Ferienkolonien
Und geht´s ins Feld, ein Dasein voller Reize
harrt meiner dann im schönen Frankenland
sind Krüppel wir, so werden Eisenkreuze
als Siegespreis dem Helden zuerkannt

Drum hol der Teufel alle Zivilisten
es lebe nur der edle Kriegerstand
Nur Militär, ob Juden oder Christen
sei´n hochgeehrt im Deutschen Vaterland
Auf, laßt zur Heimat uns zurückmarschieren
laßt von der Freiheit unser Volk befrei´n
Laßt uns alljährlich neue Kriege führen
Ich bin Soldat und will es gerne sein.

Und hier noch ein Beispiel einer österreichischen Gruppe:



1. Die Schiffsleut' vortragen den ganzen wahrhaftigen Grund 4:02 Bauernaufstand 1626

2. Mei Haus steht auf sechs oder siebm Spreizen 2:12 alte Bauernklage

3. Mag i koa Baur neama bleibm1:07

4. Das Spinnradl 3:18 Arbeitshaus Bozen, 1860
5. Der Habernsack 3:04 aus der Steiermark
6. Das Rodenecker Offertorium 1:37 antireligiöses Lied aus Tirol
7. Die Kindstauf 2:30 aus Tirol
8. Es wollt' ein Bauer früh aufsteh'n 3:17 Österreich und Deutschland
9. Ur-Wiener Ausdrücke 4:15 Wien, 19. Jahrhundert
10. Der Deserteur 3:49 Österreich und Deutschland
11. Ich bin Soldat, doch bin ich es nicht gerne 1:38 1. Weltkrieg, von österreichischen Soldaten
12. Das Blutgericht 2:25 schlesischer Weberaufstand 1844
13. Der Staat ist in Gefahr 1:37 Kampf ums Koalitionsrecht. 1860er
14. Georg Weissel 2:48 Februarkämpfe 1934
15. Neues Fohnsdorfer Bergmannslied 3:05 Kampf gegen die Schließeung der Grube Fohnsdorf, 1970er

16. Na Juris (Zum Sturm) 1:40 Slowenisches Partisanenlied, 2. Weltkrieg

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[ #kultur ] Keep swingin': JAZZCLUB LUSTENAU


Lustenau hat eine Jazzszene, die in Vorarlberg  seinesgleichen sucht.

Startklar. Angefangen hat alles im Jahr 1975, als ein paar enthusiastische Jazzfans ein Konzert mit der Jupp Zeltinger Band organisierten. Seit damals war es durch die Unterstützung der Marktgemeinde Lustenau und das Land Vorarlberg möglich, internationale Jazzstars erstmalig ins Land zu holen.
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Dienstag, 9. Juli 2019

[ #gewaltfrei ] Gewalt


Gewalt ist ein komplexes Phänomen, das nicht eindeutig und zweifelsfrei zu definieren ist. 

Vielfältige Erscheinungsformen und normativ aufgeladene Definitionen machen Gewalt zu einem schwer fassbaren Phänomen. Dies spiegelt sich in den sich unterscheidenden Definitionen und Erklärungsversuchen wider. Die Frage nach der Gewalt ist womöglich die „Urfrage des Menschen“. Unterschiedliche Formen von Gewalt scheinen zu Menschen und Gesellschaften aller Epochen zu gehören. Erkenntnisse der Gewaltforschung legen nahe, dass es eine gewaltfreie Gesellschaft bisher nicht gegeben hat. Nüchtern betrachtet ist Gewalt ein sozialer Tatbestand, der zum menschlichen Handlungspotenzial gehört.

Gewalt umfasst unterschiedliche Phänomene und Praktiken. Der Korpus dessen, womit sich die Gewaltforschung auseinandersetzt, wächst beständig. Diese Ausdifferenzierung hat Gründe: Je intensiver zu einem Gegenstand geforscht wird, umso mehr fächert er sich auf. Das erklärt aber noch nicht, weshalb bestimmte Phänomene stärker fokussiert und andere weniger beachtet werden. Schwerpunktsetzungen und Auslassungen sind stets gesellschaftlichen Umständen geschuldet. Forschung folgt aktuellen Gewaltpraxen und gesellschaftlichen sowie wissenschaftlichen Diskursen. Michaela Christ skizziert die Schwerpunkte und Facetten der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Gewalt in der jüngeren Vergangenheit.

Gewalt und Aggression sind komplexe Begriffe. Die Komplexität beider Begriffe spiegelt sich in vielfältigen Definitionen und Erklärungen wider. Es mangelt bis heute an einer breit akzeptierten begrifflichen Übereinkunft. In der öffentlichen und wissenschaftlichen Debatte kursieren unterschiedliche Erklärungsmodelle für die Ursachen von Aggression und Gewalt. Günther Gugel diskutiert verschiedene Gewaltbegriffe und Erklärungsmodelle sowie Zusammenhänge von Gewalt und Aggression. Die Skizzierung der wissenschaftlichen Erklärungsansätze macht die unterschiedliche Reichweite der Modelle deutlich. Gewalt und Aggression lassen sich letztlich nur als ein Zusammenspiel vielfältiger Faktoren erklären.

Gewalt gegen Tiere. Zwischen Menschen und Tieren besteht ein ambivalentes Verhältnis: Tierliebe auf der einen, Zwang und Gewalt auf der anderen Seite. Frithjof Nungesser analysiert Praktiken im Umgang mit Tieren, die dem gewalttätigen Spektrum zuzurechnen sind. Er nimmt dabei unterschiedliche Funktionen in den Blick, die mit den Gewaltpraktiken an Tieren verbunden sind: die Nahrungs-, Material- und Wissensgewinnung. Des Weiteren werden Praktiken skizziert, in denen Gewalt primär Selbstzweck ist (z. B. Tierquälerei). Allein für Nahrungszwecke wurden im Jahr 2016 weltweit über 70 Milliarden Landwirbeltiere getötet – eine Zahl, die in der Öffentlichkeit kaum registriert wird. Der Beitrag diskutiert die Frage, warum wir von der hochgradig rationalisierten und technisierten Massengewalt an Tieren so gut wie nichts mitbekommen. Zudem werden die ökologischen, sozialen und gesellschaftlichen Folgen erörtert, die mitsamt der Gewalt aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt werden.

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Lohnt sich ein Download? Ein schneller Blick auf den Inhalt sagt vielleicht mehr:

INHALT
Einleitung @

Carol Hagemann-White
Sexuelle und häusliche Gewalt gegen Frauen

Wolfgang Heinz
Jugendgewalt

Lothar Mikos
Mediale und reale Gewalt

Jo Berlien
Hört auf damit!

Frithjof Nungesser
Gewalt an Tieren

Armin Pfahl-Traughber
Das Gewaltverständnis der Autonomen

Eckhard Jesse
Unorganisierte und organisierte rechtsextreme Gewalt vor und nach der Wiedervereinigung

Sebastian Winter
Radikalisierung – Sozialpsychologische Perspektiven auf ein unheimliches Phänomen

Peter Imbusch
Terrorismus – Akteure, Strategien, Legitimationen

Svenja Goltermann
Gewalt und Opfer. Zur Geschichte eines komplexen Verhältnisses

Teresa Koloma Beck
(Staats-)Gewalt und moderne Gesellschaft

Uwe Wenzel
Stereotype Sichtweisen in der Medienberichterstattung

Donnerstag, 4. Juli 2019

[ #ngo ] Der Boykott - Information vor der Aktion!


Immer wieder genutztes gewaltfreies Mittel von Trägern der Zivilgesellschaft ist der Boykott  von Waren und Dienstleistungen, Produkten, Staaten, ... Dieser kann wirkungsvoll sein und zum Kristallisationspunkt einer Bewegung werden. 

Er birgt aber auch Gefahren ... Genauso kann aber eine unzureichend durchdachte oder nachlässig geplante oder vorsätzlich diskriminiere Boykottaktion sich selber und Unschuldigen schaden. Eine solche diskriminierende und menschenverachtende Aktion setzten beispielsweise die Nationalsozialisten  als sie am 1. April1933 zu einem Boykott jüdischer Geschäftsleute aufriefen. Aber auch sonst sollte man nicht in blinden Aktionismus verfallen sondern zuerst nachdenken und sich informieren. Ein Boykottaufruf kann unter Umständen auch Schadenersatzforderungen nach sich ziehen.

Soziale Verteidigung. Der Bund für Soziale Verteidigung (D) hat dazu ein Infoblatt mit Erfahrungen und Tipps veröffentlicht. Die Rechtsinformation ist zwar auf die bundesdeutsche Rechtslage zugeschnitten, doch dürfte sich diese weitgehend mit der österreichischen Rechtslage decken.

Vorsicht vor blindem Aktionismus. Wesentliches Motiv scheint allerdings auch zu sein, von blindem Aktionismus abzuhalten und ein gewaltfreies - und nicht willkürlich einzusetzendes - Politikmedium dadurch vor Beschädigung zu bewahren.

Charles Cunningham Boycott. Der Begriff Boykott geht auf Charles Cunningham Boycott zurück, einen in Irland lebenden englischen Grundstücksverwalter, der durch eine durch die irische Landliga 1880 organisierte Aktion während des Land Wars unterlag und keine Pächter mehr fand.

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[ #freizeit ] Aktuelle Badequalität in Vorarlberg


Die Badegewässer des Landes Vorarlberg werden während der Sommermonate laufend überwacht.

Die Ergebnisse dieser Maßnahmen können im Internet abgerufen werden. Für folgende "Badegewässer" werden Daten erhoben und veröffentlicht:
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Mittwoch, 3. Juli 2019

[ #mehr-demokratie ] Critical Mass

Critical mass (engl., dt. kritische Masse) ist eine international verwendete Form der direkten Aktion, bei der sich mehrere nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer (hauptsächlich Radfahrer) scheinbar zufällig und unorganisiert treffen, um mit gemeinsamen und unhierarchischen Protestfahrten durch Innenstädte mit ihrer bloßen Menge und ihrem konzentrierten Auftreten auf ihre Belange und Rechte gegenüber dem motorisierten Individualverkehr aufmerksam zu machen.
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[ #disability ] Buch der Begriffe: Wörterbuch zu Behinderung und Integration


"Die Begriffe, die man sich von was macht, sind sehr wichtig. Sie sind die Griffe, mit denen man die Dinge bewegen kann." sagt Bert Brecht. 

Und so ist das "Buch der Begriffe" ein ungewöhnliches Wörterbuch zu Fragen von Behinderung und Integration, eine Griffleiste - wenn man bei Bert Brecht bleiben will. Gedacht ist es nicht zuletzt für Journalisten und Interessierte aus der Medienbranche, die sich hier Basiswissen für publizistische Arbeiten abseits der Klischees holen können. Heute in den Tagen des Bürgerjournalismus ist es eigentlich ein Must für die Blogger. Den Barrierefreiheit ist zuerst auch eine Frage der Sprache.
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