Dienstag, 9. September 2014

[ #inklusion ] "Kein Einmaleins - Keine Chance"

Hanno Loewy  hat in den Vorarlberger Nachrichten einen beherzten Gastkommentar zu einem Wahlkampfslogan verfasst. Er ist Direktor des Jüdischen Museums in Hohenems. Der Wahlkampfslogan ist zwar eine erhebliche gelindere Form von Xenophobie als wir es von derselben Partei im Wahlkampf schon erlebt haben, der Kommentar trifft wohl genügend Vertreter auch aller anderen Parteien. 

"Kein Deutsch - Keine Chance?" ist so ja beinahe Gegenstand aller Migrationsdiskussionen und ein Allerweltssatz, zu dem man immer und überall Zustimmung findet. Damit kann man jede Diskussion abendfüllend gestalten und doch öde Leere verbreiten. Den Satz "Kein Einmaleins - Keine Chance" könnte man genauso gut auf ein Wahlplakat schreiben, nur die Zustimmung wäre geringer, weil jeder dieser Wahlwerber selber betroffen sein könnte, sich selber ertappt, dass er hängt. Obwohl, wenn man das Deutsch mancher Wahlwerbebroschüren unter die Lupe nimmt, dann kann man erkennen, dass sehr viele mit mangelndem Deutsch auch gutbezahlte Karrieren gemacht haben. Noch ganz abgesehen von der Inhaltsnote.

Dieser Allgemeinplatz "Kein Deutsch - Keine Chance" ist aber weit verbreiteter, wie auch der an Dummheit kaum zu überbietende Satz "Fordern und Fördern". Wenn sich eine öffentliche Integrationskampagne "Chancensprache Deutsch" nennt, dann mag das zwar weicher klingen, gemeint ist aber leider dasselbe. Es wird einfach unterstellt, dass Zuwanderer in großer Zahl nicht lernen wollen. Die Häufigkeitsverteilung der Lernverweigerung aber ist wahrscheinlich unter Zuwanderern und hier geborenen Menschen ziemlich identisch und möglicherweise unter Wahlwerbern sogar größer. Sonst würden sie ja voneinander oder wenigstens aus der Geschichte lernen können. Die Ressentiments sitzen also tiefer und häufiger als nur in einer Partei und wenn die Parteien, Vereine, Organisationen und Institutionen sich nicht ändern und Inklusion verwirklichen, dann hat der Fingerzeig auf andere nur Entlastungsfunktion.

Die vor fünf Jahren von der Stadtvertretung Hohenems beschlossene "Hohenemser Erklärung" könnte eigentlich den Weg weisen. Vielleicht bewegen sich die Verantwortlichen endlich zur Inklusion und lassen von den verbalen Verletzungen der nicht selten schon an den Umständen ihrer Migration leidenden oder gart traumatisierten Mitbürger ab. Und eines sei auch gesagt: Wenn die Schule in vier Volksschuljahren angeblich Kindern die deutsche Sprache nicht genügend vermitteln kann, dann sind es wirklich am allerwenigsten die Kinder, die daran Schuld tragen. Da sollten sich die Verantwortlichen einmal selber an der Nase nehmen.

Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

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